Frauenarbeit
Dalitfrauen sind in der indischen Gesellschaft als Frau und als Unberührbare einer zweifachen Diskriminierung ausgesetzt. Die Geburt eines Mädchens konfrontiert viele arme Familien mit großen Problemen. Für das Aufbringen der Mitgift der
Tochter müssen die Familien oft hohe Schulden aufnehmen. Gleichzeitig verlieren sie mit der Hochzeit die Arbeitskraft ihrer Tochter an die Familie des Ehemannes und können daher auf ihre Unterstützung auch im Alter nicht mehr zählen. Die indischen Dalitfrauen werden meist nur auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet und somit weit seltener zur Schule geschickt als Jungen. Die Alphabetisierungsrate der Frauen ist nur etwa halb so hoch wie die der Männer. Daher sind die meisten Frauen ökonomisch vollständig von ihren Ehemännern abhängig und mit der Ausnahme von einfachen, schlecht bezahlten Tätigkeiten chancenlos auf dem Arbeitsmarkt. Entfällt die Erwerbstätigkeit des Ehemannes durch Krankheit oder Tod sind die Frauen oft ohne Existenzgrundlage.
Um diese Missstände zu bekämpfen, stellen die Projekte für Frauen ein zentrales Handlungsfeld in der Arbeit der Community Development Society (CDS) dar. Durch die Veranstaltung einer Vielzahl von Aus- und Weiterbildungsangeboten fördert CDS die wirtschaftliche Selbständigkeit der Frauen und hilft ihnen ihr Selbstvertrauen zu stärken. Diese Maßnahmen kommen nicht nur Unverheirateten und Witwen zugute, sondern auch Ehefrauen, deren Männer nicht genug verdienen können, um das Auskommen der Familie zu sichern.
Nähschule
Der erste Nähunterricht für Frauen wurde von CDS nach der Eröffnung der Nähschule im Jahr 2004 angeboten. Im Rahmen des einjährigen Kurses lernten zunächst 22 junge Frauen an zwölf
Nähmaschinen die Grundlagen der Schneiderei. Die Anzahl der Arbeitsplätze konnte stetig gesteigert werden, so dass im Jahr 2007 bereits 40 Teilnehmerinnen den offiziellen Abschluss zur staatlich anerkannten Schneiderin am „Gujarat Technical Education Board” erlangen konnten. Während des ersten Kurses lernen die jungen Frauen Schnitt- und Nähtechniken zur Anfertigung von 36 verschiedenen Kleidungsstücken. In einem darauf aufbauenden, ebenfalls einjährigen Kurs werden die Fertigkeiten für anspruchsvollere Arbeiten sowie die Veredelung von Textilien durch Stickereien und andere Verzierungen vermittelt. Die mit Patchworkarbeiten verzierten Sommerblusen für Damen werden auch in Deutschland verkauft. Nach Abschluss dieser beiden Kurse besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Schneiderlehrerin aufzunehmen. Diese Chance ergriffen im Jahr 2007 acht Frauen.
Aufgrund der großen Nachfrage an den Nähkursen, zog die Nähschule im Juni 2006 in ein größeres Gebäude um. Dieses befindet sich in derselben Straße wie die alte Ausbildungsstätte. Im Jahr 2007 wurde das Gebäude um ein Stockwerk erweitert, das bei Bedarf auch als Seminarraum oder als Notunterkunft für Slumbewohner während der Regenzeit genutzt werden kann. Die Einweihung der neuen Räumlichkeiten erfolgte am 20. Dezember 2007. Darüber hinaus wurden zehn weitere Nähmaschinen gekauft, die ebenso wie der Kauf und der Ausbau des Hauses mit deutschen Spendengeldern finanziert wurden.
Die Nähekurse sind bisher sehr erfolgreich verlaufen: Alle Teilnehmerinnen haben die staatliche Prüfung bestanden. Nach Abschluss der Ausbildung können die Frauen ein zinsfreies Darlehen (zum Teil auch in Form einer Patenschaft im Rahmen des „Familien helfen Familien-Projektes“) von CDS bekommen. Die auf diese Weise finanzierbare Anschaffung einer eigenen Nähmaschine stellt einen wichtigen Schritt in die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen dar. Gegenwärtig fertigen auch einige Frauen Fastnachtskostüme an, die beim alljährlichen Fastnachtskleiderbasar in Deutschland verkauft werden.
Workshops
Neben den Nähkursen bietet CDS eine Vielzahl von Workshops an, die praktische Zusatzqualifikationen vermitteln und zur Steigerung der Verdienstmöglichkeiten der Teilnehmenden dienen. Einer der bestbesuchten Kurse ist der Henna-Painting-Workshop. In
diesem lernen Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 20 Jahren verschiedene Formen von Henna-Tatoos auf Hände und Füße aufzutragen. Diese vor allem an Feiertagen stark nachgefragte Körpermalerei bietet eine schnelle und einfache Möglichkeit zur Aufbesserung des Einkommens. Im Rahmen der zweimonatigen Kurse lernen bis zu 60 Frauen zwei Stunden täglich den kunstvollen Umgang mit den kleinen „Henna-Spritztüten“. In dem ebenfalls sehr beliebten Kosmetikworkshop erwerben die Teilnehmerinnen die Grundlagen zur Anwendung von Kosmetikartikeln. Feierlichkeiten aller Art sind ein willkommener Anlass für indische Frauen und Männer, sich schick zu machen und den harten Alltag einmal für wenige Stunden zu vergessen. Ausgestattet mit den Techniken des Kosmetik-Workshops können sich so die Frauen ein wenig Geld zuverdienen.
In weiteren Workshops, die von drei Tagen bis zu zwei Wochen dauern können, erlernen die Frauen das Herstellen von Grußkarten und Jutetaschen (können bei den Verkaufsständen von Familie Eckert erworben werden) sowie das Verzieren von Töpferwaren. Im Jahr 2007 besuchten insgesamt etwa 600 Teilnehmerinnen die verschiedenen Kurse von CDS.
Für neue Ideen sind wir immer dankbar und freuen uns über die Zusendung Ihrer Vorschläge per Telefon oder per E-mail an info@einfachhelfen.de.
Computer Center
Die Fähigkeit, mit dem Computer umzugehen, ist unerlässlich für das Leben im 21. Jahrhundert. Dies gilt besonders für In
dien – der aufsteigenden IT-Nation – in der selbst kleine Geschäfte Computer gestützt arbeiten. Folglich stellt der Erwerb von IT-Grundkenntnissen eine wichtige Voraussetzung gerade auch für ärmere Menschen zur Verbesserung ihrer Jobchancen dar. Mit Hilfe der finanziellen Rückzahlungen aus den ersten erfolgreich abgeschlossenen Patenschaften im Rahmen des „Familien helfen Familien“ Projekts wurde das neue Gebäude der Nähschule ausgebaut und im Erdgeschoss ein Computerraum mit acht Arbeitsplätzen eingerichtet.
Am 15. März 2008 wurde dieser eingeweiht. In insgesamt vier jeweils zweistündigen Kursen erlernen derzeit pro Kurs 18 Frauen, also insgesamt 90 Frauen, die Grundlagen im Umgang mit Bürosoftware. Darüber hinaus läuft ein weiterer Kurs für Männer.
Kommerziell angebotene Computerkurse mit einer Dauer von sechs Monaten kosten in der Regel etwa 2000 Rupee (ca. 40 ¤). CDS verlangt für die gleiche Ausbildung nur 100 bis 200 Rupee (2 bis 4 ¤). Wer für die Kosten nicht selbst aufkommen kann, kann gratis an den Kursen teilnehmen.






